Erfahrungsbericht zum Studiengang Lebensmitteltechnologie an der Van Hall Larenstein University of Applied Sciences

Raphaela Kremer

Raphaela Kremer stand uns freundlicherweise für ein Interview zur Verfügung. Sie studiert seit 2 Jahren Food Innovation Management an der Van Hall Larenstein University of Applied Sciences.

Wie kam es dazu, dass Sie sich für den Studiengang an der Van Hall Larenstein entschieden haben?
Ich wollte etwas mit Lebensmitteln studieren, aber nicht nur Lebensmittelchemie, Lebensmitteltechnologie oder Ökotrophologie. Ich wollte etwas Ausgefallenes studieren, das einen weiträumiger Qualifiziert um später bessere Berufschancen zu haben. Außerdem ist es so, dass man mit einem deutschen Bachelor nicht allzu viel anfangen kann wenn man den Master nicht macht. Mit dem Bachelor of Applied Sciences, den ich nach 4 Jahren Studium inklusive mehr als drei verschiedener Praktika erreichen kann, werde ich sofort ins Berufsleben einsteigen können und zudem noch viel Auswahl haben.

Wie und wo haben Sie sich über die Studienmöglichkeit informiert?
Über Studieren-in-holland.de bzw. über ib-groep.nl hab ich mich über mögliche Studiengänge in den Niederlanden, die mit Lebensmitteln zu tun haben, informiert und die Adressen der einzelnen Unis bzw. Hogeschools herausgefunden. Am nächsten Tag bin ich dann zu den einzelnen Schulen gefahren um mich Vorort zu erkundigen, da es schon Ende August und die Zeit knapp war.

Wie haben Sie die verlangten Sprachkenntnisse erworben?
Food Innovation Management ist ein englischsprachiger Studiengang und da ich schon in Amerika einen Austausch gemacht hatte, hatte ich keine Bedenken. Später hab ich aber gesehen, dass viele Studenten auch sehr gut mit ihrem Schul-Englisch auskamen, auch wenn sie anfangs noch schüchtern waren etwas zu sagen. Man lernt sehr schnell flüssig, frei und selbstbewusst in einer anderen Sprache zu kommunizieren wenn man täglich mit ihr konfrontiert wird.

Wie und wo haben Sie sich beworben?
Ich hab mich direkt bei meinem Informationsgespräch in Wageningen eingeschrieben, weil der Studiengang so perfekt für mich geklungen hat, dass ich keine Zweifel hatte und mir gar nicht erst weitere Unis ansehen wollte.

Falls Sie in die Niederlande umgezogen sind: Wie haben Sie eine Wohnung gefunden?
Ich wollte nicht in ein Studentenwohnheim ziehen, da ich mit meinem Freund zusammen in einer Wohnung leben wollte. Aber im Nachhinein hätten wir einfach zwei nebeneinanderliegende Zimmer über Idealis.nl mieten sollen, wie viele andere Studenten, denn so bekommt man am besten das Studentenleben mit. Der Vorgang ist auch sehr leicht, da sich Idealis nur um Studenten kümmert, soweit ich weis. Man meldet sich ganz einfach per Internet oder persönlich an und kann auf die Zimmer, die täglich um 12 Uhr mittags aktualisiert werden, reagieren. Zudem gibt es auch keine Mindestwohnzeit, d.h. wenn man nicht zufrieden auf dem Flur ist, zieht man um.

Wie waren Ihre ersten Erfahrungen/Eindrücke (z.B. mit der Sprache, als …)?
Holländer sind sehr umgänglich und locker, aber auch die Lehrer sind super nett. Hat man ein Problem bekommt man sofort Hilfe. Geht nicht, gibt's nicht! Alles wird einem selber angepasst, nicht unbedingt umgekehrt.

Worin sehen Sie die Vorteile Ihres Studiums in den Niederlanden?
Die Niederlande sind zwar Ausland, aber nicht zu weit weg. Ich fühle mich unabhängiger und selbstständiger. Man fragt nicht sofort seine Eltern um Hilfe, aber es gibt immer die Möglichkeit, dass sie einem helfen könnten.
Zudem ist ein Studium in den Niederlanden ganz anders aufgebaut als in Deutschland. Es gibt keine riesigen Vorlesungssäle mit 1000 oder mehr Studenten, sondern kleine Studienjahrgänge von 10 - 50 Studenten, je nachdem welchen Studiengang man macht.
Man lernt nach dem Prinzip ''competence-based-learning'' (bestehend aus Wissen, Fertigkeiten und Verhalten), d.h. dass man am Anfang jedes Moduls (jedes Modul dauert ca. 3 Monate) ein Problem bzw. eine Aufgabe bekommt, die man dann mit Hilfe der Vorlesungen und der praktischen Übungen zu lösen versucht. Der große Vorteil dabei liegt darin, dass man einen Grund hat zu lernen, sieht wo das Lernen hinführt und nach jeder Lösungsfindung ein Erfolgserlebnis hat. Zudem lernt man selbstständig zu Arbeiten und entwickelt Selbstdisziplin.

Worin sehen Sie die Nachteile eines Studiums in den Niederlanden?
Das ist eine schwere Frage, denn um ehrlich zu sein, sehe ich keine Nachteile. Wenn man sich erhofft unabhängig und selbständig zu werden, seinen Studiengang liebt und sich keine Sorge um den Berufsmarkt nach Beendigung des Studiengangs machen will, gibt es meiner Meinung nach keine bessere und einfachere Möglichkeit all das zu erreichen außer durch ein Studium in Holland. Ich jedenfalls hab meine Entscheidung seit meiner Immatrikulation keinen Tag lang bereut.

Was empfehlen Sie deutschen Schulabgängern, die an einem solchen Studiengang interessiert sind?
Geht zu den ''Open dag(en)'' (''Tag(e) der offenen Tür'') und fragt die Leute, die da studieren, fragt bei Van Hall Larenstein nach Informationsmaterial und/ oder geht mal bei einem Schnuppertag, die Van Hall Larenstein University of Applied Sciences anbietet, mit und seht was euch erwartet. Oder wenn ihr schon entschlossen seit, bewerbt euch einfach per Internet oder fahrt hin, sprecht mit euren zukünftigen Lehrern und schreibt euch vor Ort direkt ein.

Welche positiven und negativen Erfahrungen haben Sie bisher mit dem Studium gemacht?
Wie ich schon erwähnt habe, wird Vieles einem individuell angepasst, was toll ist, denn es geht immer irgendwie weiter. Generell ist alles ziemlich locker und flexibel auf der einen Seite, auf der anderen Seite ist dadurch auch vieles unorganisiert bzw. gar nicht organisiert. Man muss also damit rechnen, dass man manche Informationen erst sehr spät bekommt, dafür kann man auf Vieles Einfluss nehmen.

Was planen Sie für die Zukunft?
Ich hoffe, dass ich nach einem meine Praktika gefragt werde, ob sie mich übernehmen können, da sie mich schon eingearbeitet haben und mich als Mensch kennen, was der Firma viel Zeit, Arbeit und dem zu Folge auch Geld spart.
Andersrum bin ich gespannt wo und wie meine zukünftigen Praktika während meines Studiums werden. Dementsprechend werde ich mir überlegen was ich später als Beruf machen möchte. Zurzeit würde ich gerne in der Entwicklung arbeiten, da ich in diesem Gebiet aber noch keine Erfahrungen gemacht hab, kann ich nicht einschätzen ob ich damit auf lange Zeit zufrieden sein werde. Auf jeden Fall erwarte ich nicht, dass ich Probleme bei der Berufsfindung haben werde, da ich nach meinem Studienabschluss viele verschiedene Möglichkeiten habe im Lebensmittelsektor zu arbeiten.

Würden Sie den gleichen Weg noch mal gehen?
Auf jeden Fall. Allerdings denke ich im Nachhinein, dass es sinnvoll gewesen wäre den Vorbereitungskurs in Chemie zu besuchen. Das hätte mir später viel Arbeit erspart. Ansonsten denke ich, dass ich alles richtig gemacht habe und meine Entscheidungen richtig waren. Jedenfalls bereue ich es kein Stück nach Holland gegangen zu sein.

Wir bedanken uns bei Raphaela Kremer.