Kosten eines Studiums in Holland

Ein Studium kostet Geld. Man muss Studiengebühren, Lebenshaltungskosten und vieles mehr bezahlen. Man kann das deutsche BAföG beziehen, ein Stipendium bekommen oder andere Finanzierungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen.

Wir haben das mal für euch durchgerechnet. Aber Vorsicht, hier sind nur statistische Durchschnittswerte zu Grunde gelegt. Hinzu kommt, dass die Studiengebühren in den Niederlanden im Durchschnitt zwischen 1 – 4 % pro Jahr ansteigen und sich die Lebenshaltungskosten, vor allem die Mieten in regelmäßigen Abständen ansteigen.

Legt man die Zahlen des niederländischen Bildungsminsteriums zugrunde, so benötigt man für ein 3-jähriges Bachelorstudium an einer Uni oder Hogeschool derzeit im Landesdurchschnitt: 37.254, 60 €

Darin enthalten sind alle Lebenshaltungskosten (Durchschnitt: 867,68 €) sowie die Studiengebühren von umgerechnet monatlich 167,71 €.


Ein vierjähriges Studium an einer niederländischen Fachhochschule kostet demnach: 49.672,80 €

Ein zweijähriges Masterprogramm liegt bei: 24.836,40 €

Ein komplettes Bachelor-Master-Studium an einer niederländischen Universität liegt inklusive aller Kosten (Lebensunterhalt und Studiengebühren) bei 62,091 €.


Vergleich zu Deutschland

Das ist auf den ersten Blick gesehen eine Menge Geld, aber letztendlich wäre ein Studium in Deutschland nicht wirklich wesentlich preiswerter, denn auch hier liegen mittlerweile die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten bei etwa 819 €/monatlich laut 21. Sozialerhebung des deutschen Studierendenwerkes.

Legt man die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten von 819 € im Monat zugrunde und addiert die Semesterbeiträge in Höhe von etwa 280 € pro Semester hinzu, so kostet ein 5 jähriges Bachelor-Masterstudium in Deutschland im Durchschnitt: 51.940 €.

Im Resultat heißt das: Ein 5-jähriges Bachelor-Master-Studium in den Niederlanden kostet etwa 10.000 € mehr als ein Studium in Deutschland.

Warum sollte jemand dann nach Holland gehen, wenn doch das Studium dort teurer ist, als in Deutschland?

Es gibt eine Reihe von Argumenten, die für ein Studium in den Niederlanden sprechen und nach meiner Ansicht die Mehrkosten durchaus rechtfertigen.

  1. Ihr bekommt mehr Unterricht geboten
    An deutschen Universitäten beginnen die Vorlesungen Mitte Oktober des Jahres. Niederländische Fachhochschulen und Universitäten beginnen bereits am Anfang September mit dem Studium. In Deutschland liegt die vorlesungsfreie Zeit bei etwa 16 Wochen im Jahr. 36 Wochen wird unterrichtet. In den Niederlanden gibt es einige kurze Unterbrechungen um Weihnachten und Ostern herum sowie die 6-wöchigen Sommerferien. Hier findet der Unterricht an etwa 43 Wochen im Jahr statt. In den Niederlanden kennt man die Trennung zwischen Winter- und Sommersemester nicht, man spricht hier von einem Studienjahr.
  2. Die Dozenten nehmen sich in den Niederlanden viel Zeit für Studierende
    Ich höre immer wieder von Studierenden aus den Niederlanden, dass dort die Betreuung sehr gut sein soll. Eine schnelle und einfache Erreichbarkeit der Dozenten hilft bei der Klärung offener Fragen, bevor es zu größeren Problemen kommt.
  3. Hervorragende Räumlichkeiten, Technik auf dem neusten Stand
    Was mir immer wieder bei meinen Besuchen an niederländischen Hochschulen und Universitäten auffällt ist die hervorragende Ausstattung der Gebäude. Während in Deutschland einige Unis mit knappen Ressourcen zu kämpfen haben, legen niederländische Hochschulen viel Wert auf den aktuellen Stand ihrer Einrichtungen.

Wir könnten hier noch einige weitere Argumente anführen, wie zum Beispiel geringere Abbrecherquoten bei Studium, aber da könnt ihr euch auch selbst ein Bild machen. Mein Tipp: Besucht einfach mal einen Tag der Offenen Tür in den Niederlanden.

Um noch Mal auf die vorhin berechneten Kosten eines Studiums zu kommen. Die genannten Werte sind natürlich nur Durchschnittswerte, die von den entsprechenden Institutionen in Deutschland und den Niederlanden erhoben werden. Auch während eurer Schulzeit habt ihr natürlich nicht umsonst gelebt. Ihr bzw. eure Eltern haben Geld ausgegeben für Essen, Klamotten, Urlaube, Freizeitaktivitäten und so weiter. Wie viel Geld ihr monatlich benötigt, hängt zum einen von eurem Lebensstil ab, auf der anderen Seite natürlich auch, wo ihr studiert.

Ähnlich wie in Deutschland gibt es auch in den Niederlanden Ballungszentren und Großstädte, in denen das Wohnen und Leben wesentlich teurer ist als in ländlichen, dünn besiedelten Regionen. Manche Deutsche, die grenznah zu den Niederlanden wohnen haben manchmal sogar die Möglichkeit zuhause wohnen zu bleiben und ein Auslandsstudium quasi von Zuhause aus zu absolvieren.

Wer allerdings nach Amsterdam zieht oder Utrecht, Groningen, etc., der muss dementsprechend höhere Mieten von vornherein einplanen.

Finanzierungsmöglichkeiten, die euch beim Studium unterstützen

  1. Kindergeld
    Egal, ob ihr in Deutschland oder den niederlanden studiert: Das Kindergeld in Höhe von derzeit 192,- € im Monat wird bis zum 25. Lebensjahr gezahlt, egal in welchem Land ihr studiert. Für ein 5-jähriges Studium erhaltet ihr bzw. eure Eltern folglich 11.520 € gezahlt.
  2. Steuerliche Freibeträge
    Eure Eltern können bei einem Studium in Deutschland einen bestimmten Beitrag steuerlich geltend machen. Das gilt auch für ein Auslandsstudium. Hier würde es den Rahmen sprengen, wenn ich euch alle Möglichkeiten aufzeigen würde. Da verweise ich euch auf das Internet bzw. einen Steuerberater.
  3. BAföG
    Kaum einer weiß es, aber BAföG wird nicht für ein Studium in Deutschland gewährt, sondern auch für ein Studium im europäischen Ausland. Und der Clou: Beim Auslands-BAföG werden sogar die Studiengebühren für das erste Studienjahr übernommen. Wenn ihr grundsätzlich einen Anspruch auf BAföG habt, was in Abhängigkeit zum Einkommen eurer Eltern berechnet wird, dann bekommt ihr das Geld auch für ein Studium in den Niederlanden. Zum Thema BAföG mache ich noch eine Extra-Sendung, die ihr euch dann ansehen könnt. Fakt ist, dass etwas mehr als 20 Prozent aller Deutschen, die derzeit in Holland studieren, BAföG aus Deutschland erhalten.
  4. Krankenversicherung
    Bis zu eurem 25. Lebensjahr könnte ihr – wie jetzt auch – über eure Eltern versichert bleiben. Wenn ihr allerdings neben eurem Studium in Holland arbeiten möchtet, müsst ihr euch dort versichern

Eine weitere Möglichkeit an Geld für Studium zu kommen, bietet der niederländische Staat an. Allerdings wird dieses Geld nur als Kredit gewährt und wer diesen sehr günstigen Kredit in Anspruch nehmen möchte, der muss ein paar Bedingungen erfüllen:

  • Altersgrenze 30 bei der erstmaligen Beantragung und
  • neben dem Studium müssen 56 Stunden pro Monat gearbeitet werden.

Die maximale Höchstgrenze liegt derzeit bei 1.035 € im Monat.

Übrigens: BAföG und niederländische Studienfinanzierung geht nicht gleichzeitig.

Ihr seht, Studienfinanzierung in den Niederlanden ist ein komplexes Thema mit vielen Facetten, aber es lohnt sich im wahrsten Sinne des Wortes, sich da gut zu informieren.

Fazit: Ein Studium in den Niederlanden erscheint zwar auf den ersten Blick teurer als in Deutschland, aber unterm Strich ist das gar nicht so viel mehr und dafür bekommt ihr eine Menge geboten.

Übrigens: Manchmal ändern sich Regeln auch zum Vorteil: So hat der niederländische Staat gerade erst beschlossen, die Studiengebühren für das erste Studienjahr um die Hälfte zu reduzieren. Das bedeutet, ihr müsst zukünftig nicht mehr etwa 2.000 € für das erste Jahr bezahlen, sondern nur die Hälfte.


Eine Übersicht der Kosten des Studierens in Holland und der Finanzierungsmöglichkeiten gibt es auf den folgenden Seiten noch mal detaillierter erläutert: