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Sprach- und Kulturwissenschaften an der Universität Utrecht
Sprach- und Kulturwissenschaften an der Universität Utrecht
Stefanie Schütten studiert seit drei Jahren an der Universität Utrecht und berichtet uns von in Ihren Erfahrungen mit dem Bachelorstudiengang Spach- und Kulturwissenschaften (Hauptrichtung: Politische Geschichte und internationale Beziehungen).
Wie kam es dazu, dass Sie sich für den Studiengang an der Universität Utrecht entschieden haben?
Ich habe sehr lange gezweifelt, welchen Studiengang ich wählen sollte. Ich wollte gerne irgendwie meine breit gefächerten Interessen (hauptsächlich in Richtung Fremdsprachen, Geschichte und Menschen/andere Kulturen) kombinieren. So einen breit angelegten Studiengang konnte ich in Deutschland aber nicht finden. Bei einer meiner unzähligen Recherchen im Internet bin ich dann zufällig auf den Studiengang „Sprach- und Kulturwissenschaften“ an der Universität Utrecht gestoßen. Dieser Studiengang erschien mir wie für mich gemacht und die Universität Utrecht machte auch direkt einen positiven Eindruck auf mich. Da ich vorher schon mal in Utrecht gewesen war, wusste ich außerdem, dass es sich um eine echte Studentenstadt handelte.
Wie und wo haben Sie sich über die Studienmöglichkeit informiert?
Ich habe hauptsächlich die Website der Universität Utrecht genutzt. Die stand vor vier Jahren allerdings noch nicht in Deutsch zur Verfügung, was das Informationen-Suchen doch ein bisschen erschwerte. Ich habe auch die ausführliche (ebenfalls niederländische) Broschüre zu meinem Studiengang bestellt. Damals habe ich aber schon gemerkt, dass man recht viel versteht wenn man einen niederländischen Text liest, auch wenn man die Sprache noch nicht beherrscht.
Inzwischen hat die Universität Utrecht ihre deutschen Informationsquellen aber deutlich erweitert: Neben der deutschen Website mit unter anderem Kurz-Beschreibungen von allen Studiengängen, gibt es jetzt auch eine allgemeine deutsche Broschüre.
Wie haben Sie die verlangten Sprachkenntnisse erworben?
Im Sommer 2006 (also in dem Jahr in dem ich mein Studium aufnehmen wollte) habe ich einen 5-wöchigen Intensivsprachkurs besucht. Weil eine Freundin von mir in Nijmegen studieren ging, habe ich den Sprachkurs dort absolviert. In Utrecht besteht aber ungefähr das gleiche Angebot. Diese Sprachkurse richten sich speziell an Deutsche, die ein Studium in den Niederlanden aufnehmen wollen. Am Ende des Kurses hat man eine Abschlussprüfung, in der man das NT2 Zertifikat erwirbt – die Zulassungsvoraussetzung für ein Studium in den Niederlanden.
Es ist auf jeden Fall von Vorteil, eine Sprache „direkt vor Ort“ zu erlernen. So kann man das Gelernte auch außerhalb des Sprachkurses direkt anwenden. Der Unterricht findet meistens vormittags statt und nachmittags macht man Hausaufgaben, lernt Vokabeln usw. So ein Sprachkurs erfordert vollen Einsatz, und ich erinnere mich, dass ich in den fünf Wochen nicht viel Freizeit hatte. Trotzdem war es eine tolle Zeit, denn man hatte immer ein klares Ziel vor Augen: das Studium in den Niederlanden.
Wie und wo haben Sie sich beworben?
Bewerben im eigentlichen Sinne musste ich mich nicht, da mein Studiengang zulassungsfrei ist. Ich habe mich über die IB-Gruppe angemeldet. Das war erst alles ein bisschen chaotisch, unter anderem weil die Anmelde-Prozedur im Internet nur in Niederländisch zur Verfügung stand. Auch wusste ich nicht welchem niederländischen Schulabschluss mein Abitur entsprach. (Inzwischen weiß ich es: dem VWO.) Inzwischen ist das Anmeldeverfahren durch die Einführung von der Website „Studielink“ aber wesentlich vereinfacht.
Falls Sie in die Niederlande umgezogen sind: Wie haben Sie eine Wohnung gefunden?
Ich habe mich frühzeitig (9 Monate bevor ich mein Studium aufnehmen wollte) beim Utrechter Studentenservice für Wohnraum (SSHU) eingeschrieben. Trotzdem stand ich im Sommer noch immer nicht hoch genug auf der Warteliste um irgendwo in einer Studenten-WG „hospitieren“ zu können. In den Niederlanden ist dieses System sehr beliebt: Wenn in einer WG ein Zimmer frei wird, können alle die beim SSH eingeschrieben stehen, sich dafür bewerben. Die 10 Bewerber mit der längsten Wartezeit werden eingeladen um sich der WG vorzustellen. Die anderen Mitbewohner können sich dann den ihrer Meinung nach am besten passenden Kandidaten aussuchen.
Dieses System ist natürlich alles andere als praktisch, wenn man für jeden Hospitier-Abend aus Deutschland anreisen muss und außerdem die Sprache noch nicht (so gut) beherrscht. Deswegen landen die meisten Studienanfänger aus Deutschland erst einmal irgendwo zur Untermiete oder bei privaten Vermietern. So war es auch bei mir: Ich habe die ersten anderthalb Jahre bei einem älteren Herrn gewohnt, der schon seit mehr als 20 Jahren ein Zimmer seiner Wohnung an Studenten vermietet. Um sicher zu gehen, dass man an einem seriösen Vermieter gerät, kann man solche privaten Alternativen auch über sie SSHU-Website finden.
Wie waren Ihre ersten Erfahrungen mit der Sprache?
Nach dem Sprachkurs konnte ich den Vorlesungen ohne größere Schwierigkeiten folgen. Es kommt natürlich auch immer ein bisschen auf den Dozenten an – den einen versteht man besser, den anderen schlechter. Mit den Studienbüchern war es ähnlich: Am Anfang lag das Wörterbuch zwar immer in greifbarer Nähe, aber im Großen und Ganzen konnte ich die Texte verstehen. Viele Studienbücher sind hier übrigens ohnehin in Englisch. Schwieriger war es am Anfang selbst Texte zu verfassen.
Auch im täglichen Leben konnte ich mich von Anfang an verständigen, anfangs natürlich meist etwas holperig. Viele Leute haben dann von sich aus schnell auf Englisch umgeschaltet - um es mir leichter zu machen. Aber das wollte ich gar nicht! Denn Niederländisch lernen ist wirklich „learning by doing“! Das Schöne in Utrecht ist, dass es hier nicht viele Deutsche gibt. Man kommt also sofort in Kontakt mit Niederländern, und das verbessert die Sprachfertigkeit wirklich enorm. Gespräche mit einzelnen Personen klappten von Anfang an recht gut. Schwieriger war es da mit Gruppengesprächen… Aber je mehr sich das Sprachgefühl entwickelt, desto einfacher wird es. Meine Gesprächspartner hatten auch immer sehr viel Geduld mit mir. Ich glaube, diejenige, die am meisten von meinen Anlaufschwierigkeiten genervt war, war ich selbst…
Worin sehen Sie die Vorteile Ihres Studiums in den Niederlanden?
Standardmäßig werden an dieser Stelle der Unterricht in Kleingruppen, der persönliche Kontakt zu den Dozenten und die gute Struktur des Studiums genannt. Alle drei Punkte würde ich ohne weiteres unterschreiben! Viele Unterrichtsveranstaltungen (Seminare sowieso, aber häufig auch die Vorlesungen) finden in überschaubaren Gruppen statt. Ich bin außerdem sehr zufrieden mit der Begleitung der Dozenten und Studienberater. Sie sind alle gut persönlich oder per Email erreichbar. Und die „gute Struktur“ ist vor allem eine „stracke Struktur“. Man wird regelmäßig geprüft und kommt daher nicht in Versuchung das Studium schleifen zu lassen. Dazu trägt auch die Aufteilung des Studiums in vier Blöcke (statt der in Deutschland üblichen zwei Semester) bei. Die meisten Fächer dauern also nicht länger als zweieinhalb Monate.
Was ich noch als Vorteil ergänzen würde, ist dass ich durch mein Studium in Utrecht meinen eigenen Horizont enorm erweitert habe. Ich habe nicht nur eine neue Sprache erlernt, sondern auch wie es ist, wenn man neu in einem Land ist und probiert sich da ein Leben aufzubauen. Außerdem habe ich das Leben in einem anderen Land kennen gelernt (auch wenn es hier gar nicht sooo anders ist als in Deutschland) und im Moment sieht es so aus als ob ich sogar hier bleiben würde – auch nach meinem Studium. Nach über drei Jahren hier habe ich das Gefühl, das ich eigentlich zwei Heimatländer habe: Deutschland und die Niederlande.
Worin sehen Sie die Nachteile eines Studiums in den Niederlanden?
Ein Studium im Ausland erfordert am Anfang natürlich mehr Zeit als ein Studium in der eigenen Sprache. Das ist nicht per se ein Nachteil, aber da muss man sich schon drauf einstellen. Ähnlich ist es mit sozialen Kontakten. Auch wenn die Leute hier alle sehr offen sind, ist es natürlich schwieriger sich einen Freundeskreis aufzubauen, wenn man die Sprache noch nicht vollständig beherrscht. Es dauert halt alles etwas länger. Aber im Nachhinein profitiert man natürlich auch von diesem Entwicklungsprozess, denn er steigert das Selbstbewusstsein enorm.
Ein anderer Nachteil ist, dass man in den Niederlanden weniger Semesterferien hat als in Deutschland. Die einzigen echten Semesterferien haben wir im Juli und August. Im September, wenn die meisten deutschen Studenten frei haben, geht’s hier schon wieder los. Das macht gemeinsame Urlaubspläne mit alten Freunden manchmal etwas schwierig.
Was empfehlen Sie deutschen Schulabgängern, die an einem solchen Studiengang interessiert sind?
Das Internet ist eine gute Informationsquelle über das Studium in den Niederlanden. Die Universität Utrecht hat seit diesem Jahr auch eine Internetseite, die sich speziell an deutsche Studienbewerber richtet (www.uu.nl/studienbewerber) mit Kurz-Beschreibungen aller Studiengänge sowie vielen praktischen Informationen über Immatrikulation, die Wohnsituation, das Studentenleben und so weiter. Ich würde also jedem empfehlen erst einmal ausgiebig im Internet zu stöbern! Auf den Websites der Unis findet man auch immer Ansprechpartner an die man sich mit weiteren Fragen wenden kann.
Die meisten Unis organisieren auch Tage der offenen Tür. Es gibt einem ein gutes Gefühl, wenn man vor Ort schon mal ein bisschen beschnuppern kann, was einen eventuell im nächsten Jahr erwartet. Wenn man den entsprechenden Tag der offenen Tür verpasst hat, lohnt es sich auf jeden Fall auch, einfach mal einen Tag auf eigene Faust die auserkorene Uni und die dazugehörige Stadt zu erkunden.
Sobald man sich für eine Uni entschieden hat, empfiehlt es sich, sich auch direkt auf eine Warteliste für Wohnraum (zum Beispiel bei einem Studentenwerk) setzten zu lassen, denn der ist in den meisten niederländischen Studentenstädten wirklich knapp bemessen. Zu guter Letzt möchte ich jedem raten, sich nicht verrückt wegen der Sprache zu machen! Als Deutscher ist es recht einfach Niederländisch zu erlernen. Die beiden Sprachen sind nämlich gar nicht so schrecklich unterschiedlich.
Welche positiven und negativen Erfahrungen haben Sie bisher mit dem Studium gemacht?
Den größten Pluspunkt meines Studienganges sehe ich in seiner Vielfältigkeit. Man muss sich nicht von Anfang an auf eine bestimmte Richtung festlegen, sondern kann sich im ersten Jahr erst einmal breit orientieren. Erst am Anfang des zweiten Studienjahrs muss man eine Hauptrichtung wählen. Ich habe „Politische Geschichte und Internationale Beziehungen“ gewählt. Aber es hätte auch ein völlig anderer Bereich, wie etwa „Theater- und Filmwissenschaften“ oder „Spanische Sprache und Kultur“ werden können.
Als negativ habe ich manchmal erfahren, dass der größte Teil meines Studiums eigentlich Selbststudium ist. Manchmal habe ich mir mehr Unterricht gewünscht, auch wenn das vielleicht ein bisschen merkwürdig klingt. In meinem Studium muss man sich sehr viel selbst erarbeiten. Das ist mir zum Glück nie sonderlich schwer gefallen, aber es erfordert natürlich schon eine ordentliche Portion Disziplin.
Was planen Sie für die Zukunft?
Ich habe meine Bachelor-Arbeit bereits im Juni diesen Jahres (also planmäßig am Ende meines 3. Studienjahres) fertig gestellt. Eigentlich hätte ich meinen Bachelor also schon abgerundet, aber ich habe freiwillig noch ein halbes Jahr angehängt. Ich will nämlich noch einen so genannten „Minor“ (ein Fächer-Packet aus vier Kursen, in dem man sich auf ein bestimmtes Fachgebiet spezialisiert) in Wirtschaft absolvieren.
Wenn alles klappt, werde ich im Februar mit einem „Onderzoeksmaster“ (einem zweijährigen Master mit einem Schwerpunkt auf Forschung) in Geschichte anfangen. Das Bewerbungsverfahren läuft aber noch. Ich werde auf jeden Fall erstmal noch an der Universität Utrecht bleiben. Wahrscheinlich werde ich nach meinem Master probieren eine Promotions-Stelle zu bekommen. Im Moment denke ich, dass ich auch nach meinem Studium in den Niederlanden bleiben werde!
Würden Sie den gleichen Weg noch mal gehen?
JA!
Du möchtest Stefanie eine persönliche Frage stellen? Dann kontaktiere Sie unter: s.schutten@uu.nl
Wir bedanken uns bei Stefanie Schütten für das ausführliche Interview!
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